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Neurologische Komplikation der HIV-Infektion

In Deutschland sind ca. 60.000 Menschen mit HIV (Humanes Immundefizienz-Virus) infiziert, davon knapp 10.000 in Berlin und Brandenburg. Hierzulande sind am häufigsten homosexuelle Männer betroffen.

 

Im Rahmen der HIV-Infektion kommt es nicht selten zu neurologischen Problemen. Diese können entweder durch das HI-Virus selbst verursacht sein, oder durch eine opportunistische Infektion oder Tumorerkrankung des Gehirns bei fortgeschrittener Immunschwäche, oder als Nebenwirkung von Medikamenten auftreten. Ferner führt Syphilis bei HIV-Infizierten überdurchschnittlich häufig zu einer Beteiligung der Hirnhäute oder des Gehirns.

 

Die häufigsten neurologischen HIV-Komplikationen sind nachfolgend aufgeführt.

 

HIV-assoziierte neurokognitive Störung
Erkrankung des Gehirns, durch HIV selbst verursacht. (Man spricht auch von HIV-Enzephalopathie). Es kommt allmählich zu vermehrter Vergesslichkeit und nachlassendem Konzentrationsvermögen. Die Störung ist bei fortgeschrittener HIV-Infektion häufig, ein Übergang in eine Demenz ist aber selten. Die Diagnose erfolgt durch eine neurologische und neuropsychologische Untersuchung. Manchmal kann eine Depression ähnliche Beschwerden hervorrufen. Zum Ausschluss anderer Erkrankungen muss ein Magnetresonanztomogramm durchgeführt werden. Ferner muss die Viruslast im Nervenwasser untersucht werden, diese sollte unter der Nachweisgrenze sein. Durch die Behandlung mit solchen HIV-Medikamenten, die gut ins Hirngewebe eindringen, kann der Erkrankung partiell vorgebeugt und können bereits vorhandende Beschwerden gebessert werden.

 

HIV-assoziierte Polyneuropathie
Erkrankung der peripheren Nerven, meist durch HIV selbst verursacht, manchmal aber auch durch bestimmte Medikamente. Es kommt allmählich zu Taubheitsgefühl und schmerzhaften Missempfindungen in den Füßen, manchmal aufsteigend, seltener auch in den Händen. Die Diagnose erfolgt durch eine neurologische Untersuchung sowie ein Elektromyogramm mit Bestimmung der Nervenleitgeschwindigkeit. Gegebenenfalls muss man versuchen, auf nervenschädigende Medikamente zu verzichten. Zur Linderung der Schmerzen können Medikamente hilfreich sein, die sonst bei Epilepsie oder bei Depression eingesetzt werden.

 

Zerebrale Toxoplasmose
Opportunistische Infektion des Gehirns durch den latent bereits im Körper vorhandenen Einzeller Toxoplasma gondii, meist bei CD4-Helferzellzahl < 100/µl. Innerhalb von Tagen kommt es zu Kopfschmerzen, Fieber, Lähmungen, Wesensänderung, epileptischen Anfällen u.a. Die Diagnose erfolgt durch den Nachweis typischer abszessähnlicher Herde mittels Computertomogramm oder Magnetresonanztomogramm sowie das gute Ansprechen auf eine probatorische medikamentöse Behandlung. Diese muss auch nach Besserung fortgesetzt werden, um einen Rückfall zu verhindern.

 

Kryptokokken-Meningitis
Opportunistische Infektion des Gehirns durch einen mit der Atemluft aufgenommenen Pilz (Cryptococcus neoformans), meist bei CD4-Helferzellzahl < 100/µl. Innerhalb von Stunden bis Tagen kommt es zu Kopfschmerzen, Wesensänderung, abnormer Müdigkeit, Eintrübung. Die Diagnose erfolgt durch den Nachweis des Erregers im Nervenwasser. Mehrwöchige Infusionsbehandlung mit Antimycotica (Pilzmedikamenten) und anschließende Rückfallprophylaxe mit Tabletten erforderlich.

 

Progressive multifokale Leukenzephalopathie (PML)
Opportunistische Infektion des Gehirns mit einem latent bereits im Körper vorhandenden Virus (JC-Virus), meist bei CD4-Helferzellzahl < 200/µl. Innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen kommt es zu Gesichtsfelddefekten, Gleichgewichtsstörungen, Wesensänderung, Sprachstörungen, Lähmungen u.a. Die Diagnose erfolgt durch einen charakterischen Befund im Magnetresonanztomogramm (MRT) und den Virusnachweis im Nervenwasser. Einzige Behandlungsmöglichkeit ist die Immunrekonstitution durch optimierte Anti-HIV-Therapie; wenn dies nicht gelingt, schreitet die Erkrankung rasch voran.

 

Primäres Lymphom des Zentralnervensystems
Bösartiger Gehirntumor, der meist nur bei erheblicher Immunschwäche (CD4-Helferzellzahl < 100/µl) auftritt. Innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen kommt es zu Wesensänderung, Denkstörungen, Lähmungserscheinungen u.a. Die Diagnose erfolgt durch Bildgebung (Magnetresonanztomogramm), Untersuchung des Nervenwassers und Entnahme einer Gewebeprobe aus der betroffenen Stelle im Gehirn. Behandlung durch Bestrahlung oder Chemotherapie. Immunrekonstitution durch optimierte Behandlung der HIV-Infektion kann die Überlebenschance deutlich bessern.

 

Auch bei neurologischen Erkrankungen, die nicht mit der HIV-Infektion zusammen hängen, wie beispielsweise Migräne, Epilepsie oder Parkinson-Krankheit, muss die HIV-Krankheit in der Behandlungsplanung besonders berücksichtigt werden, nicht zuletzt wegen der möglichen Wechselwirkungen mit den HIV-Medikamenten.

 

In unserer Praxis werden neurologische Störungen bei HIV-Patienten umfassend abgeklärt. Falls erforderlich, kann eine Nervenwasserentnahme (Lumbalpunktion) ambulant durchgeführt werden.
Frau Dr. Schielke befasst sich seit über zwanzig Jahren mit neurologischen Komplikationen der HIV-Infektion. Sie ist Gründungsmitglied der Deutschen Neuro-AIDS-Arbeitsgemeinschaft (DNAA e.V.) und Mitglied im Arbeitskreis AIDS niedergelassener Ärzte Berlin e.V..